Neulich in der Stadt zu einem Bekannten: „Sei mal lieber vorsichtig bei öffentlichen WLAN-Netzwerken!“ – „Was soll da schon passieren? Selbst wenn’s im Internet Gefahren gibt, da kann ICH wohl am wenigsten was dagegen tun.“

Als Student im dritten Semester bin ich viel mit Gleichaltrigen zusammen und hake öfter mal nach, wenn ich etwas von ignorierten Zugriffsrechten bei Anwendungen oder „weggeklickten“ AGBs mitbekomme. Informatikstudenten und Technikbegeisterte sind sich wahrscheinlich am häufigsten bewusst, was sie tun, wenn sie ihre Geräte bedienen. Aber „der Rest“? Auf das Thema bin ich selbst durch meine Tätigkeit bei praemandatum aufmerksam geworden. Zunächst einmal:

Das Problem und was stattdessen sein sollte

Welcher Jugendliche interessiert sich ernsthaft für seine Datensicherheit oder Datenschutz im Allgemeinen?

Bald jeder Zehnjährige, den man auf der Straße sieht, hält inzwischen ein Smartphone in der Hand. Wirklich sichere Passwörter? Sind zu schwer zu merken. Cookies im Internet? Kann man das essen? Nun gut, den sehr jungen Internet-Draufgängern kann man die Unwissenheit gerade noch verzeihen. Aber könnten sich die älteren Jugendlichen nicht etwas mehr um das Thema sorgen? Von besagten „Älteren“ aus meinem Umfeld habe ich als Antwort nur bekommen: „Ja, es interessiert mich manchmal schon, aber machen kann ich sowieso nichts dagegen.“ Vielen klingt auch das Thema an sich zu kompliziert, das sei doch nur etwas für Firmen ... Doch das stimmt nicht.

Leicht sieht man ein, dass es gar nicht so schwer ist, in sozialen Netzwerken auf die Privatsphäre zu achten; mit kleinen Add-Ons das Sammeln von Cookies einzuschränken oder sich bewusst zu machen, was hinter den allgemeinen Geschäftsbedingungen steckt, die leichtherzig akzeptiert werden. Wofür genau gibt man seine Zustimmung, sollte man einer Anwendung gewisse Rechte erteilen? Kurzum: Gerade wenn ein Mensch jung ist, sollte das Bewusstsein bezüglich des Themas Datenschutz geschärft werden, ist man doch noch im lernfähigen Alter und nutzt die angebotene Technik exzessiv im Vergleich zu anderen Teilen der Gesellschaft.

"Mit Datenschutz und so IT-Zeug habe ich nichts am Hut"

Häufig zählen Unwissenheit oder Unsicherheit zu den Gründen, aus denen junge Leute (früher auch ich selbst!) nichts darüber wissen, wie viele ihrer persönlichen Informationen bei vermeintlich unbeteiligten Dritten landen können. Die Rechte, die Anwendungen auf Computer oder mobilem Endgerät eingeräumt werden, sind gelegentlich nicht leicht zu durchschauen –; „akzeptieren“ bestätigen die meisten trotzdem, denn ehrlich gesagt bleibt einem oft keine andere Wahl, wenn man bestimmte Dienste nutzen möchte. Lust auf das Lesen von 50 Seiten Text haben mit Sicherheit die wenigsten.

Was man bräuchte, um für mehr Transparenz zu sorgen? Ich denke, dass man am besten auf eine Kurzfassung setzen sollte. Noch besser: ein informierendes Video oder Bilddialoge. Eine anschauliche Übersicht dessen, welche Rechte die App einfordert (Ideen zu dem Thema gibt es bereits, siehe dazu den Matekasse-Artikel BMBF-Projekte für mehr Privatsphäre bei Apps vom 10. Oktober 2016).

Im eigenen Bekanntenkreis habe ich mich erkundigt, ob Personen zum Beispiel eine oft benutzte Anwendung, die viele Daten einfordert und abspeichert, deswegen löschen würden. „Ja, ich könnte ohne die App leben.“ „Warum tust du es dann nicht?“ „Ohne die App ist mir langweilig. Außerdem nutzen sie alle meine Freunde.“ Der Gruppenzwang also. Nutzt man einen beliebten Messenger nicht mehr, wird man schlichtweg ausgeschlossen von denen, die sich keine Gedanken über Datensicherheit machen. Es ist ein Thema, bei dem ALLE mit anpacken sollten, damit auch ALLE etwas an ihrem eigenen Verhalten ändern können. Sichere Passwörter, Verschlüsselungen für Mails, Vorsicht beim Verfassen von öffentlichen Nachrichten in Social Media. Im Internet gibt es keine Anonymität und die digitale Welt kennt keine Grenzen. Das sollte jeder auf dem Schirm haben. – Wessen Aufgabe ist es, bei jungen Menschen dafür zu sorgen?

Die Lösung?

Erste Idee: Die Eltern klären die Kinder früh genug auf. Je früher, desto besser. Eine weitere Anregung: Die Schule kann auf diesem Gebiet große Wunder vollbringen. Als wirklich hilfreich hat meine eigene Schwester den Besuch von praemandatum bei einer Informationsveranstaltung zum Datenschutz an ihrer Schule bezeichnet. Nun kommt aber nicht jeder in den Genuss solcher oder ähnlicher Angebote.

Mein persönlicher Vorschlag: in den Medien auf das Thema aufmerksam machen. Dabei meine ich aber im Hinblick auf Generation Smartphone weniger die Tagesschau im Fernsehen, sondern die Medien, mit denen man womöglich viel enger in Kontakt steht: soziale Netzwerke auf Mobile Devices und am PC. Für alles andere gibt es stets eine Flut aus Anzeigen und Werbung, wieso nicht auch für mehr Awareness im Bereich Datensicherheit? Bei all den kleinen feinen Features und Möglichkeiten, die man mit modernster Hardware und Software hat, muss doch wohl noch ein wenig Zeit bleiben, um auf die wirklich wichtigen Dinge hinzuweisen! Und dafür plädiere ich.

Auf Unternehmensseite sollte für mehr Transparenz gesorgt werden, sodass junge Menschen ihr am besten so früh wie möglich erworbenes Wissen anwenden können – diese Idee erweist sich aber seit längerer Zeit als Utopie. Bis in den sozialen Netzwerken eines Tages etwas umgesetzt wird, geht es viel einfacher: Die Bereitstellung und Weiterverbreitung nötigen Wissens ist eine Angelegenheit, bei der alle gemeinsam helfen sollten und auch können.

Informationen zum Thema gibt es nahezu überall im Netz. Was antworten wir also dem recht ahnungslosen Fragesteller vom Anfang des Artikels? Sehr viel kann da passieren. Und DU bist möglicherweise der einzige, der etwas gegen den Datenklau bei DIR selbst tun kann. Informiere Dich und die anderen und nimm die Sache in die Hand.

Erik N. - 18 Jahre