"Ich hasse Bargeld. Wenn ich es in der Tasche habe, werfe ich es manchmal in den Müll. Ich weiß einfach nicht, wohin damit", erzählt eine junge Schwedin in der Doku von Hanspeter Michel (SWR 2018).

In der Reihe 'Reportage und Dokumentation' wurde der Film "Welt ohne Geld" am 30.7.2018 in der ARD ausgestrahlt und ist jetzt ein Jahr lang in der Mediathek zu sehen. 'Natürlich' wird deutlich, das bargeldloses Bezahlen immer bequemer, einfacher und auch günstiger wird.  "Auf der Strecke bleibt dabei das Interesse der Bürger am Bargeld."  Der Aufwand für die Banken, Tonnen Bargeld vorzuhalten und zu verwalten, mache aus Geld ein aufwändiges und teures Produkt. Und die Kosten für bargeldlosen Service würden dabei gerne verschwiegen.

"Tatsächlich arbeiten Finanzkonzerne, Politiker und einflussreiche Ökonomen weltweit daran, das Bargeld abzuschaffen."

Wirtschaftsstudenten der Uni Siegen machen sich gemeinsam und nicht nur in diesem Film mit ihrem Professor und einem Wirtschaftsjournalisten Gedanken über Datensicherheit, Raum der Freiheit und Kontrolle.

Auch EU-Behörden attackierten das Bargeld, während sich die Deutsche Bundesbank reflektiert äußert.  Ein Harvard-Professor, ehemaliger Ökonom beim internationalen Währungsfond, will nur die großen Banknoten und hohe Barsummen gegen die dunklen Geschäfte abschaffen. Die älteste Zentralbank der Welt - in Schweden - macht sich Gedanken, wie Geld sicher verwahrt werden kann. Kommt das elektronische Zentralbankgeld?

Im amazon-shop gibt es kein Bargeld, jeder Griff ins Regal wird biometrisch erfasst. Und was weiß Pay Pal über seine Kund*innen? Was passiert wirklich mit den personenbezogenen Daten? Und wer hat etwas davon?

"Die bargeldlose Gesellschaft ist im Grunde eine beschönigende Beschreibung für ein kommerzielles, rein privatwirtschaftliches Bezahlsystem."

Red Scott, ein ehemaliger Investment-Banker, verteidigt heute in seinen Büchern das Bargeld: "Diese Firmen sagen uns nicht, was sie mit den Daten machen". Und wenn wirklich aus der Korrelation der Daten psychosoziale Profile erstellt würden, was macht das dann mit uns? Was tun wir, wenn wir wissen, dass alle unsere Handlungen beobachtet werden? Ein kritischer Blick nach China, Indien und auf die 'Better Than Cash Alliance' fehlt in der umfassenden Reportage auch nicht.

Red Scott möchte in einer Welt leben, in der es verschiedene Bezahlsysteme gibt. Nicht nur digital.

"Bargeld hat nur noch wenig Fürsprecher. Keine Marketingabteilung."

Zu Wort kommen auch Linn, die eine Tankstelle für Boote in den schwedischen Schären betreibt, Gastronomen aus den USA und aus dem Schwabenländle. Und mit dem Zaster-Laster der Volksbank geht es auf die schwäbische Alb.

Wohin die Reise wirklich geht, bleibt offen.
Red Scott nennt die Risiken, die eine bargeldlose Gesellschaft schaffe:

1. Viel, viel mehr Überwachung. Ein Finanzüberwachungsstaat.

2. Ausgrenzung von denen, die keinen Zugang zu den digitalen Bezahlsystemen haben.

3. Die Risiken des Datenklaus werden viel größer.

4. Weniger Sicherheit. Digitale Bezahlsysteme können zum Absturz gebracht werden.

Außerdem könne man Personen, die einem nicht passen, einfach ausschalten. Als Mittel zur politischen Unterdrückung.

Eine sehr sehenswerter Film mit starken Anregungen, mehr Bewusstsein für Datenflüsse, Kontrolle, Erpressbarkeit und Verhaltensänderungen zu schaffen.

Welche Stimmen mir gefehlt haben, waren die von schwedischen Menschen, die von Münzen leben. Zum Beispiel Straßnmusiker*innen. Oder auch obdachlose Menschen, die um Münzen betteln. Wie es denen wohl geht?

Tipp für Schulen!: schauts!

Jetzt in der ARD-Mediathek verfügbar bis 30.7.2019 "Welt ohne Geld. Wie die Abschaffung von Banknoten voran getrieben wird": https://www.ardmediathek.de/tv/Reportage-Dokumentation/Welt-ohne-Geld/Das-Erste/Video?bcastId=799280&documentId=54628598

dh

Update am 12.8.2018: Das Thema nimmt in den Medien wieder Fahrt auf

Die TAZ: "Diskussion über Abschaffung von Bargeld
Kleines Geld, große Liebe

In Dänemark wird das Bargeld abgeschafft, in Frankreich reduziert. Nur die Deutschen halten an Münzen und Scheinen fest. Warum?

Er würde sicher bitterlich weinen, gäbe es kein Bargeld mehr: Dagobert Duck. Liebt der gefiederte Geldsammler doch Vollbäder in seinen glitzernden, klingenden Münzen. Für die Deutschen wäre es nicht minder schlimm – Bargeld ist und bleibt das beliebteste deutsche Zahlungsmittel." Ganzer Artikel: https://taz.de/!5526719/

Foto: Symbolbild von praemandatum