Die interaktive Ausstellung zum Projekt “Geheimnis – Ein gesellschaftliches Phänomen” der Nemetschek Stiftung startet zwar erst ab 29.09.2016 in München, die Website beleuchtet jedoch schon jetzt, was im Zeitalter von Big Data und Totalüberwachung legitime Geheimnisse sein können oder dürfen. Und welche Geheimnisse es aufzudecken gilt.

Insbesondere für Bildungseinrichtungen und Schulklassen ab der 9. Klasse werden Ausstellungsführungen angeboten. Und die Website liefert schon jetzt gewissermaßen das Vorzimmer zur Ausstellung, um den Denkraum für das Thema zu eröffnen. Wer mit Schülern arbeitet oder sich der Aufklärungsarbeit auch für die Großen verschrieben hat, ohne missionieren zu wollen, findet online aktuell einen Fundus an Geheimnissen. Die Website regt mit ihrer Themenvielfalt betont die Meinungsbildung und die Reflektion persönlicher Preisgaben an:

“Das Geheimnis zählt zu den großen kulturellen und gesellschaftlichen Errungenschaften und spielt überall da eine Rolle, wo Menschen zusammenleben oder zusammenarbeiten – im kleinen Kreis der Familie genauso wie in ganzen Gesellschaften. Soziale Nähe oder Distanz definieren sich über das Maß, in dem wir bereit sind, Geheimnisse zu teilen: Wem vertrauen wir unsere Geheimnisse an? Wen lassen wir teilhaben?

In den letzten Jahrzehnten hat sich unser Verhältnis zum Geheimnis stark gewandelt. In vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens wird zunehmend mehr Transparenz gefordert. Geheimes soll öffentlich werden, um so Korruption oder Machtmissbrauch in unserer Gesellschaft vorzubeugen. Gleichzeitig bedrängen soziale Netzwerke, neue Kommunikationsformen und Überwachung das Entstehen und Bewahren von persönlichen Geheimnissen.

Aber geht das – Gesellschaft ohne Geheimnis?

Die Ausstellung ‘Geheimnis – Ein gesellschaftliches Phänomen’ nimmt Sie mit an unsere Orte von Geheimhaltung und Heimlichkeit. Sie fragt nach dem Zusammenspiel von Transparenz und Schutz, von Macht und Vertrauen sowie von persönlicher Freiheit und gesellschaftlicher Verantwortung. Wägen Sie ab, beziehen Sie Stellung und testen Sie sich: Haben Sie wirklich nichts zu verbergen? Wem vertrauen Sie? Und wie viel wollen Sie wirklich wissen?” Quelle: http://www.geheimnis-ausstellung.de/

Die Schriftstellerin Ines Geipel steht im aktuell virtuellen Denkraum für Geheimnisse in der Familie. “Seit dem Mauerfall hat sich die Literaturwissenschaftlerin und ehemalige DDR-Leistungssportlerin Ines Geipel um die Aufdeckung verschiedener privater und gesellschaftlicher Geheimnisse verdient gemacht. Sie sammelt und erforscht ‘verschwiegene Literatur“’ und war an der Aufklärung des DDR-Doping-Systems beteiligt. Darüber hinaus entdeckte sie, dass ihr Vater als West-Agent für die Stasi im Einsatz war. Ihre Erfahrungen verarbeitete sie u. a. in den Werken ‘Heimspiel’ und ‘Generation Mauer’.”

Das Geheimnis im Beruf sorgt mit der Autorin Petra Balzer für Wirbel. Ein Politiker steht im Für und Wider politischer Geheimnisse; ein Journalist will Geheimnisse im Journalismus aufdecken, wenn es der Gesellschaft dient. Der Historiker Frank Bösch personifiziert Geheimnisse in der Forschung: “Im Rahmen seiner Forschung zur Medien- und politischen Sozialgeschichte hat er u. a. ‘Öffentliche Geheimnisse’ und die verborgenen Seiten der ‘Adenauer-CDU’ ergründet. Seit 2015 ist er leitend mit der Aufarbeitung der Nachkriegsgeschichte des Bundesinnenministeriums (BRD) und des Ministerium des Innern (DDR) beauftragt.” Ein Pfarrer führt beim Geheimnis in der Kirche bis zum Beichtstuhl. Ein Fazit: “Kirche und Papst waren noch nie ‘so gläsern und ergreifbar wie heute’.”

Auch wenn das Projekt GEHEIMNIS eine offensichtliche Tendenz zur Aufdeckung von gesellschaftlichen Geheimnissen zeigt, bietet es dennoch eine klare Einladung, die Privatsphäre neu zu überdenken und zu gestalten: "Menschen, Tresore, Akten, Schatzkisten – wo bewahren Sie Ihre Geheimnisse auf? Wandern unsere Geheimnisse tatsächlich in den digitalen Raum? Oder nutzen wir dieselben Orte wie zu Großvaters Zeiten?" Qelle im Blog: Frage der Woche

Die Ausstellung selbst wird sich dann um die Auseinandersetzung der einzelnen Besucher*innen  mit dem Thema "Geheimnis" drehen - in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen. Selbst mit Fragen konfrontiert, gilt es abzuwägen und Stellung zu beziehen, so die Programmleitung aus München.

Wäre das Leben ein Wunschkonzert, würde mich das Projekt-Team mit dem i-Tüpfelchen erfreuen, wenn es dem Thema "Big Data, Metadaten und das Geheimnis einer gewahrten Privatsphäre" oder allgemeiner mit "Geheimnis in der Datenübertragung" noch Raum mit einem kompetenten Interviewpartner geben würde.

dh